Panorama-Nachrichten - Juni 2026

4 gemacht, dass die Menschen ihre Probleme eben ganz unterschiedlich verarbeiten. Dieser arme Tropf versuchte mit seinen Kollegen oder vielleicht Familienangehörigen zusammen den Kummer im Alkohol zu ertränken. Und jeder von uns kennt es ja, wenn Verzweiflung zur Wut wird und an die Stelle eines Verlustes tritt. Diese Männer machten ihrer Verzweiflung Luft, indem sie nun halt leere Flaschen und Bierdosen frustriert aus dem Fenster warfen. Es war aber nicht primitive „Ausländer-Bosheit“ oder was der Teufel so alles in unsere Köpfe spuckt, wenn wir solchen Szenarien begegnen. Nein, es war ein Ausdruck der Verzweiflung, und das überaus laute Reden war in diesem Fall einfach der Versuch, die Verlustschmerzen mit lauter Musik und Dauerunterhaltung zu überdecken. Noch im Taumel der Freude, stellte sich dann aber plötzlich dieselbe laute Musik wieder ein. Im ersten Moment erstarrte ich und überlegte, ob ich jetzt doch nur von einem üblen Kerl verarscht worden bin. Das hätte mich krass irritiert, weil sich ja die Herrlichkeit Gottes über alles gelegt hatte. Keine halbe Minute später aber begann in der oberen Wohnung eine intensive Diskussion. Seine Mitbewohner waren zurückgekehrt und fuhren wie zuvor die Musik hoch. Doch sogleich begann der Trauernde einzuschreiten und so lange auf sie einzureden, bis die Musik wieder ausgeschaltet war. Das war Balsam für meine Seele; nicht aber bloss aufgrund der wieder eingetretenen Ruhe, sondern aufgrund der völlig veränderten Situation. Einmal mehr stand mir vor Augen, wie vielen kostbaren Muslimen ich in meinem Leben schon begegnen durfte. Kostbar deshalb, weil ihre Herzen sich zur Gerechtigkeit hingezogen fühlen, wenn diese sich zeigt; weil sie hinhören können, wenn man sie in aufrichtiger Liebe anspricht; weil sie viel korrekturbereiter sind als das Gros von Christen, die meinen Lebensweg gekreuzt haben – um nicht zu sagen gekreuzigt haben. Freilich gilt die eben gelobte Korrekturbereitschaft wie immer nicht gleich für jeden Muslim. Massive Ausnahmen gibt es ja bekanntlich nicht nur unter ihnen, sondern auch unter sämtlichen Religionen oder Menschenkreisen, bis hin zum Terrorismus. Im grossen Ganzen aber wurde durch dieses Erlebnis meine Liebe zu muslimischen Brüdern ganz neu entfacht und meine Entschlossenheit erneuert, diesen gerechtigkeitsliebenden Menschen ihren Gott nur umso mehr als liebenden Vater und getreuen Freund nahezubringen. War es doch primär die ständige Arroganz jüdisch-christlicher Rechtgläubigkeit in geistlich unmündigem Vorhofwesen, die die Muslime in die Abwehr getrieben haben. Dabei war Mohammed vornehmlich dabei, die Hingabe unter den Willen Gottes wiederherzustellen (Islam = Hingabe). Auch betonte er die Gleichheit aller Menschen vor Gott und den Verzicht auf Stammesdenken. Ebenso erneuerte er gerade den Sinn für soziale Gerechtigkeit, rief zur erneuten Unterstützung der Armen und zum Verbot von Ausbeutung auf. Mit seiner Botschaft von Güte und Barmherzigkeit, von Mitgefühl für alle Lebewesen und dem Glauben an das Jüngste Gericht rief er gerade eine verrottete Welt zu neuer Verantwortung

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