3 Andererseits kann man sich, mit einer falschen inneren Einstellung, selbst bei grösster Stille innerlich total aufreiben. So arbeitete ich also die ersten Stunden dieses neuen Tages trotz überlauter Musik durch mehrere Verse hindurch. Als ich kurz vor der Mittagszeit realisierte, dass ich wieder einmal keine einzige Pause eingelegt hatte, entschloss ich mich, dies auf der Stelle nachzuholen. Während ich aber mein Arbeitszimmer verliess, begann der Heilige Geist wieder in mir zu wirken. Gewohnt, auch zu tun, was ich den Vater tun sehe, sah ich mich, wie ich die Treppe hochgehe, wie ich an der Tür der Ruhestörer klingle und was ich sagen werde. Ich sah mich dort völlig gelassen und auch darauf gefasst, eine Abfuhr erteilt zu bekommen. In diesem Moment war klar, dass selbst eine solche mich nicht aus der Bahn werfen würde, weil ich die Spur des Drinbleibens in Christus bereits gefunden hatte. So stand ich also in echt vor der Tür und drückte die Klingel. Die Musik war aber derart laut, dass das Klingeln regelrecht in ihr versank. So musste ich jeweils auf eine etwas leisere Musikpassage warten und drückte dann immer wieder schnell den Knopf. Nach längerem Warten öffnete sich dann die Tür und ein mächtiger schwarzhaariger Mann stand vor mir. Nachdem ich herausgefunden hatte, dass er gebrochen Deutsch spricht, liess ich die Worte aus dem Mund, wie ich sie „in der Vorschau“ gesehen und vernommen hatte, und sagte: Wissen Sie, ich liebe diese Musik (was ich auch wirklich tat), aber sie ist so schrecklich laut, dass ich da unten kaum arbeiten kann. Ich wusste in jenem Moment nicht, ob dieser Riese mich nun gleich verdreschen oder zum Teufel jagen würde. Aber das Erstaunlichste geschah gleich zuerst: Dieser Muslim entschuldigte sich auf der Stelle ganz herzlich und begann dann unter Tränen zu erklären, dass eben seine geliebte Mutter von ihm gegangen sei. Dann fiel der Geist der Liebe Gottes auf uns, sodass ich diesen trauernden Mann fest in die Arme nehmen und ihm sagen konnte, wie leid mir das tut. Während dieser Fremde weinte und schluchzte, tröstete ich ihn mit den Worten, dass die Liebe bleibt, und dass Gott ihm über diesen Schmerz hinweghelfen wird. Auch versicherte ich ihm, dass ich für ihn beten werde. Das Nächste, was aus seinem Mund kam, war der Satz: Du kannst jederzeit, 24 Stunden am Tag, zu mir kommen, wenn du irgendetwas brauchst. Dann bot er mir einen Kaffee an, den ich aber um meines laufenden Auftrages Willen dankend ablehnte. Während er nun mit leuchtenden Augen offerierte, nur noch mit Kopfhörern Musik zu hören, musste ich Überzeugungsarbeit leisten, dass eine etwas leisere Einstellung völlig genüge. Eine himmlische Atmosphäre des Friedens und der Einheit war greifbar gegenwärtig. So trat ich denn meine beabsichtigte Pause an und dankte dem Herrn für diese gefühlt schönste Erfahrung an meinem Übersetzungsort. Während meiner Rückkehr zum Arbeitszimmer las ich dann noch eine weitere leere Bierflasche auf meinem Vorplatz zur Entsorgung auf. Gott hatte mir zwischenzeitlich klar-
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