Panorama-Nachrichten - Juni 2026

49 Ruhe ringsum (von Karin L., CH, 57 J.) In unserer familiären Gemeinschaft für vier erwachsene Menschen mit Beeinträchtigungen betreuen wir seit 26 Jahren eine nun 47-jährige, kognitiv leicht beeinträchtigte und schwer traumatisierte Frau. Ihren nicht zur Ruhe kommenden Versuchen, gewissen Mitbewohnern zu zeigen, dass sie diese nicht mochte, begegneten wir mit klaren Konsequenzen. Denn leider gelang es nicht, sie in Gesprächen zur Einsicht zu bringen. Unsere Massnahmen waren darum auch nie wirklich nachhaltig, und die Konflikte flammten jeweils nach kurzer Beruhigung bald wieder auf. So war das Zusammenleben äusserst anstrengend, und es kam in den vergangenen Jahren auch mehrmals beinahe zu einem Austritt. In der OCG lernte ich dann das Prinzip der „Ruhe ringsum“ kennen, wo es darum geht, Unruhen und Unfrieden auf den Grund zu gehen und mit Gottes Hilfe in Frieden umzuwandeln. „Wenn es sich hier um ein universelles göttliches Prinzip handelte, dann müsste es sich doch auch in der schwierigen Situation mit Anna (Name geändert) umsetzen lassen“, dachte ich. So entschied ich mich, die Sache ganz neu anzugehen und mich dem Herrn und Seinem Weg des Friedens anzuvertrauen. Ab sofort verlangten wir, dass Anna den anderen Mitbewohnern eine friedliche Gesinnung gegenüber brachte und ihre Mitarbeit wertschätzte. Bis anhin hatten wir nämlich nur Handlungen korrigiert, die wir als feindselig erachtet hatten (z. B. Türe schletzen, böse Blicke, ignorieren, etc.), nicht aber die Gesinnung dahinter. Auch hatten wir zugelassen, dass sie bei der Arbeit schimpfte, solange sie diese erledigte. Die Bedingung lautete neu: Du kannst nur bei uns sein, wenn du gegenüber deinen Mitmenschen Frieden und deiner Arbeit Wertschätzung entgegenbringst. Wir hatten uns damit entschieden, dass wir die ablehnende Haltung, die sie gegenüber der Gemeinschaft seit Jahren zeigte, nicht länger ertragen würden. Entweder würde es Anna nun gelingen, ihre Haltung doch noch zu ändern, oder sie würde uns verlassen müssen. Seit wir dies von ihr verlangten, hat sich sowohl ihre Beziehung zu den Mitbewohnern als auch ihre Einstellung zur Arbeit plötzlich von Grund auf verändert. Anna wirkt sichtlich entspannter und sagt, dass es ihr besser gehe als früher. Sie verbringt von sich aus wieder mehr Zeit bei uns und nimmt häufiger Kontakt zu ihren Mitbewohnern auf. Es sind nun erste Ansätze da, mögliche Konflikte mit ihr anzusprechen und gemeinsam Lösungen zu finden. Sie zeigt grundsätzlich Wertschätzung für ihre Aufgaben, übernimmt mehr Verantwortung für die Strukturierung ihres Alltags und ist bereit, mit mir zu besprechen, wie sie ihre Zeit sinnvoll verbringen könnte. Sie hat sich wieder für einen auswärtigen Kurs angemeldet und ihre Arbeitszeit erhöht. Es kommt nun vor, dass sie sich bedankt und Aufgaben freiwillig übernimmt …

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