Panorama-Nachrichten - Nr. 3-August 2026

21 Ich kann nur empfehlen, die „alten“ Oratoriums-Lieder anzuhören und es mit den Kindern oder für Dich persönlich zu singen. Sie sind immer noch hochaktuell! Es ist ein proklamatives Sprechen/Singen, und man wird dabei verwandelt. (Nebeneffekt: Man lernt auch noch Schweizerdeutschࣟ.) In Liebe Eure Anna-Sophia !Die Wut! (von Sulamith Funk-Sasek, 35 J.) Kaum zu glauben, schon wieder haben die Kinder ein Schuljahr erfolgreich abgeschlossen. Die Szene wiederholt sich jährlich: Am letzten Schultag kommen alle Kinder mit ihren vollgepackten Rucksäcken nach Hause. Dann wird Heft um Heft und Buch um Buch herausgezogen und zusammen mit diversen kreativen Werken aufgetürmt. Meistens nehmen wir uns dann irgendwann ein Zeitfenster, in dem die Kinder uns Eltern all ihre Werke präsentieren können, bevor das Material dann auf den Dachboden wandert. Diesmal zog ich aus dem ganzen Haufen ein schön eingefasstes Heftchen heraus und blätterte ein wenig darin herum. Es war das Ethik-Heftchen von Kosima. Mein Auge blieb bei einer farbig gestalteten Seite hängen. Die Überschrift lautete „!Die Wut!“. „Schön“, dachte ich mir, „da lernen die Kinder, wie man mit der Wut umgeht.“ Unter der Überschrift waren neun Kinder mit Sprechblasen abgebildet, in denen sie erzählen, wie sie mit der Wut umgehen. Da sagt z. B. der Mats Kölle: „Ich baue mir aus einem Karton eine Zielscheibe und dann stelle ich mir den vor, den ich nicht mag und werfe mit spitzen Scheren da drauf.“ Oder ein Mädchen mit Down-Syndrom meint: „Also ich brülle dann meistens draussen, und wenn ich drinnen bin, höre ich Musik oder ich male.“Tobias erzählt: „Wenn ich richtig sauer bin, dann muss ich irgendwas zerstören. Ich will irgendwas zu Kleinholz verarbeiten, in die Luft sprengen oder abballern. In der Schule unterdrücke ich es, wenn ich wütend bin, weil die Hausordnung sehr streng ist. Dann beame ich mich in eine andere Welt.“ Okaaaaaaay … andere beschreiben noch, wie sie sich ablenken mit ihren Haustieren, etwas Süsses essen oder Ballerspiele am Computer spielen. Dies bringe sie wieder runter, wenn sie so „dermassen aggro“ drauf seien. Es gab in jener Lektion keine „Wertung“, ob das beschriebene Verhalten gut oder schlecht ist. Denn jeder gehe mit seiner Wut eben anders um. Als ich das las, musste ich aufpassen, dass ich selbst nicht auch noch „aggro“ werde.ࣣ Wie sähe unsere Welt aus, wenn jeder einfach ungeniert seiner Wut Raum gäbe? Was, wenn das Ballerspiel am Computer nicht mehr ausreicht, um seinen Aggro-Zustand loszuwerden? Ja, dann werden wir wohl auch volles Verständnis für künftige Amokläufer haben müssen – denn sie sollen ihre Wut ja irgendwie loswerden. Und was die Folgen sind, wenn bei jedem Problem etwas Süsses her muss, sollte uns auch bekannt sein. Da lerne ich doch lieber ethisches Verhalten in der OCG-Akademie. Mein Vater, Ivo Sasek, hat über 40 Jahre hinweg tausende Menschen erfolgreich rehabilitiert

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