2 Wann immer z. B. neues Leben geboren wird, erblickt das Neugeborene zu einem Zeitpunkt äusserster Bedrängnis das Licht der Welt. Die Mutter liegt in Presswehen, ächzt und stöhnt; die Geburtshelfer umringen sie in ihrer eigenen Anspannung, die werdenden Väter sind oft schweissgebadet. Alles scheint dem absoluten Untergang geweiht. Doch könnte man über jeder gelungenen Geburt den 2. Teil von Dan. 12,1 gesetzmässig ausrufen: „Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, jeder, den man im Buch aufgeschrieben findet.“ Da meine Anni ja elf Kinder geboren hat, und wir über unsere Hebammen Zeugen auch sonst zahlreicher Geburten wurden, können wir nebst diesem primär ontischen Ereignis aber auch jene zweite Wirklichkeit bezeugen, auf die es bei jeder „Herausgeburt“ ankommt: nämlich die Verhaltensweisen von Müttern und Vätern, von Hebammen, Ärzten usw. Wir erlebten junge Frauen in sorgloser Entspanntheit, ja beinahe leichtfertiger Gleichgültigkeit ihren Geburtsprozess antreten. In der unbesorgten Meinung, es seien ja schliesslich alle Menschen schon irgendwie rausgekommen, unterschätzten diese Mütter den realen Geburtsprozess. Als es dann plötzlich zu dieser „Zeit der Bedrängnis kam, wie sie noch nie gewesen ist“, gerieten besonders jene dann plötzlich in äusserste Seelennot und Panik. Durch deren innere Verkrampftheit und so manch sorgenbeladene Frage wurde der an sich von selbst laufende Geburtsprozess aufs Erheblichste beschwert. Einige Frauen mussten aufgrund ihrer plötzlichen Verkrampfungen und Panikattacken dann in Notfallstationen gebracht werden. Wieder andere Gebärende gingen mit allergrösster Ehrfurcht und heiligem Respekt in ihren Geburtsprozess. Doch weil sie schon im Vorfeld alles losgelassen und sich Gott anvertraut hatten, wurde ihre heilige Scheu in den schwersten Stunden in pulsierenden Glauben Gottes verwandelt. So schwach wie sie zuvor waren, erzeigten sie sich mittendrin als stark, mutig und unerschütterlich. Am leichtesten liefen jene Geburten, bei denen sich die Mütter vorab ganz und gar entspannt Gott anvertrauen konnten. Es war ein einziges, schon nahezu müheloses Mitfliessen, bis es zur unbehelligten Herausgeburt des neuen Lebens kam. Was ich mit alledem sagen möchte: Wann immer eine Zeit der Bedrängnis auf uns zukommt, wie sie noch nie gewesen ist, kommt es sehr darauf an, wie wir uns auf diese Stunde eingestellt haben, und wie wir uns dann ganz real in dieser schwersten Stunde verhalten. Als Josua die Führung Israels anstelle von Mose übernahm, sprach Gott zu ihm: „Dieses Gesetz soll nicht von deinem Munde weichen!“ (Jos. 1,8). Beachte: Gott sagte nicht zu ihm: „Dieses Gesetz soll nicht von deinem Herzen weichen …“ Ich denke, schon jeder durchschnittliche Christ hat das Wort Gottes auf dem Herzen. Bei Gott kommt es aber in letzter Konsequenz nicht
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