Helden Sterben Anders - Ivo Sasek - Elaion-Verlag

158 Mönchsweihe Schwermütig schloss Arnold die Tür zu seiner Kammer. Er lehnte sich mit dem Rücken an das spröde Holz und liess seine Augen ein letztes Mal durch die ärmliche Behausung seiner vergangenen Jahre wandern. Das Zimmer war nie schön oder gemütlich gewesen, doch Arnold hatte sich an die Zurückgezo- genheit gewöhnt, die er hier genossen hatte, die gedämpften Geräusche und Gerüche der Pferde. Ab morgen würde er im Dormitorium , dem Schlafsaal der Mön- che, nächtigen müssen. Bei dem Gedanken rann es ihm kalt den Rücken herunter. Nicht nur, dass es ihm unangenehm war, mit so vielen Menschen den Schlafraum zu teilen, es würde auch schwieriger für ihn werden, sich ungesehen aus dem Kloster zu schleichen. Mit Erleichterung dachte er an die kleine Pforte neben den Ställen. Tagsüber wäre sie ideal, um aus der Abtei zu ver- schwinden. Die Kirchglocken schlugen, und Arnold schreckte aus seinen Gedanken hoch. Er kontrollierte noch einmal, ob er an alles ge- dacht hatte, dann schob er den Jutesack mit seinen Habseligkei- ten unter das Bettgestell. Heute Abend würde er ihn abholen. Er eilte auf den Hof zu den Laudes, dem Morgengebet. Schon von weitem konnte er die monotonen Gesänge der Mön- che hören. Sie begannen die Laudes immer mit Psalm 66. Bis zu Psalm 50 mussten alle Mönche in der Kirche versammelt sein. Arnold kniete in der Bank nieder und stimmte in die Psalmenge- sänge mit ein. Nach dem Abschluss blieb Arnold noch etwas länger knien. Er hatte diese Tage sein sechzehntes Lebensjahr erreicht, und heute würde er seine Weihung zum Mönch erhalten. Er schaute alldem mit gemischten Gefühlen entgegen, bedeutete es doch einen weiteren Schritt auf sein Ziel zu. Doch andererseits band er sich damit an ein Gelübde. Es war ihm zwar nur Mittel zum Zweck,

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