Helden Sterben Anders - Ivo Sasek - Elaion-Verlag
157 Ja, genau das war es, das war der Punkt! Sie hatte doch schon länger gespürt, dass dies die Wahrheit war, und wollte einfach nicht nachgeben, sich nicht anvertrauen. In der letzten Zeit hatte sie auch sehr darunter gelitten, dass sie ihren Eltern gegenüber manchmal ungehorsam gewesen war und nun nie mehr die Ge- legenheit hatte, diese Dinge mit ihnen zu klären. Jetzt aber nahm sie Magdalenas Hände, kniete mit ihr nieder, und unter Schluchzen rief sie in ihrem Herzen zu diesem Jesus. Vergib mir, nimm meine Sünden von mir! Sie sprach innerlich alles aus, was ihr ein schlechtes Gewissen bereitete, auch besonders ihren Hass auf all die Habsburger, Nonnen und Mönche! Mit jeder Sekunde verstand sie besser, dass Jesus ihr ja nur ver- geben konnte, weil Er selbst die Strafe für all ihre Sünden getra- gen hatte. Deshalb musste Er am Kreuz sterben. Mit jeder Sünde, die sie Gott bekannte, schien ihr Herz leichter zu werden. Die Last und Bedrückung wich spürbar aus ihrem Leben. Danke, danke, danke für Dich selber, Jesus! Zum ersten Mal spürte sie, dass Kraft da war, auch anderen zu vergeben. „Anneli, lass jetzt auch alle los, denen du bis jetzt noch nie ver- geben konntest!“ Liebevoll strich Magdalena ihr über die Haare. Ja, Herr Jesus, jetzt ist Schluss mit Hassen und Hadern. Ich vergebe den Habsburgern, die mich gefangen genommen, auch den Nonnen, die mich eingesperrt haben und so böse sind. Ich vergebe auch der Priorin, die be- fohlen hat, mir die Zunge abzuschneiden. – Ja … Jetzt flossen die Tränen … und auch den Soldaten, die meine Eltern getötet haben. Sie wussten nicht, was sie taten! Tränenüberströmt blickte sie zu Magdalena und drückte ihr zum Dank fest die Hand. Sie umarmten sich: „Anneli, du hast verstanden, ja!?“ Sie nickte mit einem liebevollen Lächeln. Ja, sie hatte verstanden.
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