Helden Sterben Anders - Ivo Sasek - Elaion-Verlag
156 keine Worte mehr und konnte nur noch seufzen. Sie spürte, dass Gott da war, und doch umgab sie nach wie vor eine grosse Bedrückung. Sie konnte genau fühlen, dass sie Erlösung brauchte, nur – wie? Ein weiteres Tal der inneren Verzweiflung folgte, bis Magdalena eines Tages zu ihr sagte: „Schau, Anna, es steht geschrieben, dass es keinen anderen Namen unter dem Himmel gibt, als nur den Namen Jesus, in dem wir errettet werden müssen, und unsere Sünden vergeben werden. – Da solltest auch du langsam nach- geben, oder?“ Lange schaute die junge Nonne in das verschlossene Gesicht des Mädchens. „Anneli, schau, ich dachte auch immer, dass ich mir ganz fest Mühe geben muss, um Gott zu gefallen. Schon als kleines Kind hatte ich das Verlangen, Gott zu dienen. Aber je mehr ich mich anstrengte, desto weniger klappte es. Ich wurde so schnell wü- tend und konnte den Eltern trotz guter Vorsätze nicht gehorchen. Zuletzt dachte ich, dass ich niemals in den Himmel kommen kann, weil ich einfach zu schlecht bin. An einem Abend kniete ich vor meinem Bett, weinte und sagte zu Jesus, dass ich niemals gerecht vor Ihm sein könne. Mir war, als würde Er lächeln und sagen, dass Er das auch noch nie von mir erwartet hätte. Wenn ich es selber schaffe, dann brauche ich Ihn ja gar nicht. Er musste doch sterben, weil es uns eben nicht gelingt, Gott zu ge- fallen. Da endlich konnte ich ablassen von meinen eigenen Bemühun- gen und meinen Glauben auf Ihn setzen, dass Er in mir das wirkt, was ich nicht kann. ‚Keine Erlösung ohne Erkenntnis der Sünden, keine Vergebung ohne Hingabe des eigenen Lebens!’ Nur Christus in dir kann gerecht sein!“, sagte Magdalena. Anneli fiel es wie Schuppen von den Augen.
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