Helden Sterben Anders - Ivo Sasek - Elaion-Verlag
153 Heisse Tränen stiegen ihr in die Augen. Mit voller Wucht warf sie einen Stein an die gegenüberliegende Mauer. Nein, ich will nicht dankbar sein, weil es nichts gibt, wofür ich dankbar sein könnte! Ich hasse die Habsburger; ich hasse diese heuchlerischen Mönche und Nonnen hier, und ich hasse das ganze Leben! Wirklich nichts? , schien eine feine Stimme in ihrem Inneren zu fragen. Schon standen ihr die ersten Jahre ihres Lebens wieder vor Augen, die sie in der Geborgenheit der Familie verbracht hatte. „Ich habe überhaupt nichts, wofür ich danken kann“ , schien doch nicht ganz zu stimmen. Magdalena konnte sich manchmal noch kurz Zeit nehmen und erzählte ihr Geschichten von Jesus. Anneli musste immer wieder über diese Begebenheiten nachdenken. Jesus, von dem mir Magdalena immer wieder erzählt, der hatte es ja auch nicht einfach! Als Unschuldiger wurde Er ans Kreuz genagelt … Ob Er wohl wirklich der verheissene Messias war? Anneli kannte viele Stellen aus den Schriften, die vom Messias sprachen. Ihr Vater hatte sie immer wieder vorgelesen und den Kindern eingeprägt. Magdalena behauptete, dass alle diese Stel- len durch Jesus erfüllt worden seien und Er der Einzige sei, der Sünden vergeben könne. Ich weiss auch nicht … aber dieser Hass ist auf jeden Fall nicht gut. Jetzt probier ich’s einfach mal. Also: Danke … hm … für … meine Eltern und Arnold und Pater Waldes, ja, auch für Magdalena und also … Ja, für die kleine hübsche Maus und dass ich nicht im Kellerverlies schmachten muss, wo kein Son- nenstrahl hinkommt. Danke für die Decke von Magdalena, und danke, dass ich zwar nicht mehr reden, aber doch noch denken kann. Ja, und danke, dass ich mit Dir reden kann und Du mich hörst und … Die wenigen unbeholfenen Dankgebete, die sich am Anfang wie einzelne Tropfen aneinanderreihten, schwollen zu einem Strom an.
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