Helden Sterben Anders - Ivo Sasek - Elaion-Verlag

152 Gott segne und behüte mich. Er lasse Sein Angesicht über mir leuchten und sei mir gnädig. Siehe, Er schläft und schlummert nicht, der Hüter Jisraels. Auf Deine Hilfe hoffe ich, Gott. Gott ist mit mir, ich fürchte nichts. Wie oft hatte sie diese Worte mit ihren Eltern gebetet! Und dennoch … Gott schien unendlich fern. Bitterkeit, Hass, Verzweiflung und Hoffnung lösten sich in ihrem Herzen unaufhörlich ab. Magdalena erzählte viel von ihrer Beziehung zu Gott, von einer Art tiefen Freundschaft und Vertrauen zu ihrem Schöpfer. Anneli fühlte sich sehr zu ihr hingezogen. Doch erst nach vielen Ge- sprächen schwand das Misstrauen, und sie konnte ihr Herz der jungen Ordensfrau gegenüber öffnen. Anneli ging es jedes Mal besser, wenn sie auf die Ratschläge ihrer neuen Freundin einging. Sie fing an, Gott in alles einzubeziehen, wie Magdalena es ihr geraten hatte. „Weisst du, Anneli, ich glaube, es würde dir sehr helfen, wenn du anfängst, Gott einfach für alles zu danken, auch für die kleinsten Dinge in deinem Leben. Unsere Gedanken haben star- ken Einfluss darauf, wie es uns geht. Achte doch mal darauf, ob das, was du denkst, dich stärkt oder in Verzweiflung stürzt.“ Diese Aufforderung löste in Anneli anfänglich eine harte Gegen- reaktion aus. Wenn sie noch hätte sprechen können, wäre ihrem Mund wohl ein bitteres Wort entschlüpft. Magdalena sah die Verbitterung in Annelis Gesicht und verliess seufzend das Turm- zimmer. Ja, ja danken! Danken für was? Danken dafür, dass ich seit Jahren hier eingesperrt bin, einsam, alleine, frierend, oder etwa dafür, dass ich nie mehr reden kann? Nie mehr kann ich Arnold sagen, wie dankbar ich ihm für alles bin … Die hat gut reden! Ob sie auch noch dankbar wäre, wenn sie wie ich hier im Turm eingesperrt wäre und …

RkJQdWJsaXNoZXIy MTY5NDM=