Helden Sterben Anders - Ivo Sasek - Elaion-Verlag
145 Abschied Seit drei Jahren besuchte Noldi nun die Klosterschule. Viel hatte sich in seinem Leben bis dahin nicht verändert. Wenn er sich unbeobachtet wähnte, setzte er seine Kampfübungen fort. Ebenso festigte er seinen Geist in der Vorstellung des einstigen Sieges über all dieses Unrecht. Bruder Robertus und seinen Anhängern ging er aus dem Weg. Seine Beziehung zu Waldes war enger geworden, doch sie wurde immer von einer Spannung durchsetzt, die Arnold mit seiner Ungeduld hervorrief. In seinem jugendlichen Ungestüm waren drei Jahre eine zu lange Zeit. Anneli hätte schon längst befreit und seine Rache vollbracht werden sollen. Doch Pater Waldes ermahnte ihn immer wieder, dass die Zeit noch nicht reif sei. Arnold hasste es, zu warten! Er hatte nur leider keine Wahl … Selbst Nicholas hatte die Veränderung seines Freundes bemerkt. „Du bist so unruhig. Weshalb bloss? Hier ist doch nichts, was einen nervös machen könnte? Im Gegenteil, ich wäre eher versucht, mich zu langweilen“, hatte er Noldis Verhalten kommentiert. Noch immer wusste Nicholas nichts von Noldis Vergangenheit. Allerdings hatte er einen gesunden Menschenverstand, und so fiel es ihm nicht schwer, manche Dinge zu erraten. Während der Arbeiten versuchte er Noldi zu provozieren mit Aussagen wie: „Es ist ein hartes Los für dich, dass du in einem Kloster feststeckst, wo du die Mönche doch so hasst“, oder: „Zu gerne wüsste ich, wie deine Pläne mit dem Kloster aussehen.“ Auf Noldis Frage, was er damit meine, hatte er nur gesagt: „Das wirst du selbst am besten wissen. Und wage es nicht, mich als dumm zu verkaufen. Ich weiss, dass du etwas im Schilde führst. Das sieht man deinem Gesicht an.“ Noldi hatte auf eine Antwort verzichtet, da er seinen Freund nicht belügen wollte und doch auch nicht bereit war, ihm die Wahrheit zu erzählen.
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