Helden Sterben Anders - Ivo Sasek - Elaion-Verlag
144 Noldi erinnerte sich an die ersten Tage, wo er bei den Pferden geholfen hatte. Irgendwann hatte er damals feststellen müssen, dass die drei Knechte spurlos verschwunden waren. Erst am Abend, als Noldi seine Arbeit getan hatte, standen die Drei fröh- lich schwatzend in der Tür. Damals hatten ihm seine Beschwer- den nichts geholfen. Mittlerweile liessen die Knechte Noldi schon längst nicht mehr alles alleine machen. Als sie mit dem Ausmisten fertig waren, winkte Franz sie zu sich. „Draussen fallen die ersten Schneeflocken, und bevor es nachher richtig losgeht, wollen wir die Pferde reinholen. Kommt, ihr könnt helfen!“ Die Knechte mussten die Abtei verlassen, um die Pferde von ih- ren Koppeln zu holen. Noldi hatte noch nie dabei geholfen, und so entdeckte er an die- sem Tag zum ersten Mal die Pforte. Sie lag in einer Gasse zwi- schen dem Gesindehaus und dem Schafstall. Sie ging auf einen kleinen Pfad hinaus, der zwischen den Feldern auf den Wald zu- führte. Durch die Mauern der Stallungen lag die Tür im Schatten verborgen und war vom Hof aus unsichtbar. Noldi blieb einen Moment erstaunt stehen, als er sie erblickte. Franz stupste ihn ungeduldig an. „Es gibt noch einen anderen Weg nach draussen als das Haupt- tor?“, fragte Noldi völlig verblüfft. „Natürlich, irgendwie muss das Gesinde ja das Kloster verlassen und betreten können.“ Franz warf ihm einen misstrauischen Blick zu. Wieso wusste ich davon nichts? So einfach hätten wir fliehen können … Der Knecht musste wohl etwas in Noldis Blick wahrgenommen haben, sodass er hinzufügte: „Sie ist nur tagsüber zugänglich. Nachts schliesst der Pförtner ab.“ Und wenn schon? Noldi löste sich aus der Erstarrung und ging weiter, als wäre nichts gewesen, doch in seinem Kopf überschlugen sich die Gedanken.
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