Helden Sterben Anders - Ivo Sasek - Elaion-Verlag

143 Kontrolle als jener. Noldi erfuhr nie, worauf sich Franz’ Hass gründete. Der Knecht pflegte nur vor sich hinzumurren: „Die Pfaffen haben meinen Eltern Flausen in den Kopf gesetzt!“ An diesem Tag flüchtete Noldi regelrecht aus der Novizenschule zum Stall. Die Finger waren ihm beim Schreiben zunehmend steif geworden, und die letzten Stunden musste er sich ständig gehässige Bemerkungen von Robertus gefallen lassen. Noldi konnte nur seine Lippen fest zusammenpressen, um seiner Wut nicht laut Luft zu machen. Nachdem er die Provokationen seines Mitschülers krampfhaft ignoriert hatte, war er am Ende der Stunde schliesslich mit Nicholas im Schlepptau aufgesprungen und aus dem Zimmer gestürmt. Er hätte sich sonst nicht mehr beherrschen können. Noldi überquerte mit grossen Schritten den Hof zu den Ställen. „Als Weichling hat Robertus mich bezeichnet!“, grummelte Noldi. „Was hat der überhaupt für ein Recht dazu?“ Nicholas zuckte die Schultern. „Er fühlt sich doch nur stark, weil die anderen Novizen hinter ihm stehen. Sobald er Mönch ist, wird er sich schwächere Menschen suchen, die er schikanieren kann.“ „Ich verstehe nicht, wie du immer so ruhig bleiben kannst“, är- gerte sich Noldi. Sie betraten den Stall. Mittlerweile war für Noldi der Geruch nach Stroh und Pferden vertraut geworden. Seine Eltern hatten sich keine Pferde leisten können, und so hatte ihn am Anfang der fremde Geruch irritiert. Doch nun fühlte er sich wohl, sobald er den Stall betrat. Karl grüsste sie im Vorbeigehen. Er trug einen Strohballen, hinter dem nur sein heller Schopf hervorblickte. „Wir misten bei den Hengsten aus. Ihr könnt helfen!“ Noldi und Nicholas griffen nach den Mistgabeln und machten sich ans Werk. Das alte Stroh brachten sie in Holzkarren hinter den Stall und verteilten anschliessend das neue in den Boxen. Natürlich nutz- ten die Knechte die Anwesenheit der Novizen jedes Mal aus.

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