Helden Sterben Anders - Ivo Sasek - Elaion-Verlag

142 Wie kann man nur so wenig Kampfwillen haben ? Noldi konnte das nicht verstehen. Gerne hätte er Nicholas davon überzeugt, dass er für seine Wünsche kämpfen musste. Doch dafür hätte er zu viel von sich preisgeben müssen. Mitleid für seinen Mitschüler stieg in ihm hoch. Er war zu gut- herzig für eine raue Männerwelt. Doch Noldi tat es gut, jemanden zu haben, einen Freund, für den er da sein konnte. Die Pforte Bald hatte der Winter den Herbst abgelöst, und es herrschte bit- terste Kälte. Die Mönche zogen sich nun beide Untergewänder übereinander an und wechselten zu ihrer wollenen Mönchskut- te. Wohin Noldi auch ging, überall fror er. Nun freute er sich, wenn der Unterricht zu Ende war und er die körperlichen Arbeiten zugeteilt bekam. Am besten war die Arbeit im Stall. Die Körperwärme der Stuten verbreitete sich in dem alten Holzschuppen und verdrängte die Kälte wenigstens bis zu einem erträglichen Mass. Ausserdem mochte er die Stallburschen. Im Laufe der Jahre hatten sie ihn als einen der Ihren akzeptiert. Der eine, Karl, stammte aus einer Bauernfamilie. Da seine Eltern zu arm waren, um alle fünf Kinder zu versorgen, hatten sie ihn als Knecht ins Kloster geschickt. Er verdiente nicht viel, doch da er mit Essen versorgt wurde, schickte er das meiste Geld an sei- ne Familie. Die beiden anderen Stallburschen stammten aus den umliegenden Dörfern. Franz war eher mürrisch und der Un- freundlichste von den Dreien. Er betrachtete die Arbeit der Knechte als würdelose Zeitverschwendung. Doch bei keiner Lehrstelle war er angenommen worden, und so begab er sich zähneknirschend zu den Mönchen. Er hasste die Kuttenträger nicht weniger als Noldi, doch hatte er seinen Zorn weniger unter

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