Helden Sterben Anders - Ivo Sasek - Elaion-Verlag

141 Zur Verwaltung des Gutes sieht der Vater mich als unfähig an. Also hat er mich ins Kloster abgeschoben und gesagt, am besten sollte ich Mönch werden. Da könnte ich nicht viel falsch ma- chen. Den ganzen Tag herumsitzen und beten, dass würde selbst ich zustande bringen.“ Eine Schicksalsergebenheit sprach aus seiner Stimme, die Noldi wütend machte. Verständnislos fragte er: „Und du lässt dir das gefallen?“ Nicholas zuckte mit den Schultern. „Was soll ich denn machen? Vater gehört zum Rittertum. Ich muss den Standesanforderun- gen entsprechen. Mehr als die drei Möglichkeiten habe ich nicht; ob es mir gefällt oder nicht, spielt keine Rolle. Du weisst nicht, wie das ist.“ „Doch, ich weiss es“, erwiderte Noldi. „Das Schicksal fordert oft Wege, die man nicht wählen würde. Es bleibt nur die Wahl zwi- schen einem kleineren und einem grösseren Übel.“ Nicholas überlegte einen Augenblick und stocherte dabei mit der Mistgabel gedankenverloren im Stroh. „Vielleicht hättest du versuchen können, mit deinem Vater zu reden.“ Noldi liess nicht locker. „Sobald ich den Mund aufmache, verbietet er ihn mir sogleich. Es interessiert ihn nicht, was ich denke!“ „Vielleicht will er sehen, dass du dich vor ihm beweist, sonst sieht er dich nicht als gleichwertig an. Hin und wieder sollten wir wahrscheinlich mit den Erwachsenen reden. Ansonsten fügt man sich einfach gegen den eigenen Willen oder setzt heimlich seinen eigenen Willen durch.“ Noldi schluckte hart. „Und man wird bei beidem unglücklich.“ Ich wünschte mir, ich hätte die Mei- nung meines Vaters mehr geachtet, ging es Noldi durch den Kopf. Nicholas winkte ab. „Ich schaue erst mal, ob mein Vater nicht doch Recht hat. Vielleicht werde ich mich im Kloster ganz wohl fühlen.“

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