Helden Sterben Anders - Ivo Sasek - Elaion-Verlag

128 „Nein.“ Waldes lächelte liebevoll auf seinen Schützling herab. „Gott sei Dank liessen sie mit sich verhandeln. Ich konnte dich einlösen.“ Er zwinkerte. „Einlösen gegen was?“ „Ich werde dich als Novize unterweisen. Du wirst mein Schüler.“ Noldi sagte daraufhin lange nichts mehr. Zuerst war er entsetzt. Doch dann stiegen wieder Waldes Worte in ihm auf – dass die Veränderung von innen kommen müsse. Er würde seiner Rache einen Schritt näherkommen. Entschlossen nickte er. „Wann beginnt meine Unterweisung?“ Im Todestal Anneli wälzte sich hin und her. Ihr Körper glühte. Gedanken, Gefühle, Bilder – alles drehte sich gleich einem wild um sich wirbelnden Kreisel; verzerrte aneinandergereihte Wortfetzen drangen wie durch einen Nebelschleier an ihr Ohr – hallten in ihrem Inneren unheimlich nach, wieder und wieder. Träumte sie, wachte sie? War so … der Tod? „Komm, die stirbt doch sowieso. Was vergeuden wir eigentlich unsere Zeit? Da nützt doch alles nichts mehr.“ „Hildegard, aber die Mutter Priorin hat uns doch befohlen …“ „Die Priorin, die Priorin! Was kümmert sich die ,Mutter Prio- rin‘ schon um dieses … dieses Geschöpf da? Und überhaupt – was ist das schon für ein Leben! Eingesperrt zu sein in diesem Turm – jahraus, jahrein?“ Anneli versuchte ihre Augen zu öffnen – vergeblich! Immer deut- licher drangen die Worte der beiden Nonnen an ihre Ohren. „Aber, es ist doch noch ein Kind …“ „Das ist es doch gerade, Mechthild, das ist es, was ich dir die ganze Zeit sagen will. Es ist noch ein Kind!!! Aber, wäre es für dieses ,Kind‘ nicht besser, es könnte endlich sterben?“ Stille – unheimliche, atemlose Stille folgte.

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