Helden Sterben Anders - Ivo Sasek - Elaion-Verlag

126 Als er erwachte, schien sein Körper in Flammen zu stehen. Alle Glieder schmerzten, und er zitterte hemmungslos. Es schien ihm, als würden ihn die Flammen von innen auffressen; doch von aussen umklammerte ihn die Kälte. Irgendwann fiel er wie- der in einen Dämmerschlaf zurück. Schauerbilder eines bren- nenden Dorfes erschienen. Er hörte seine Eltern schreien und versuchte, ihr Haus zu finden; doch alle Häuser sahen gleich aus. Mit Schrecken stellte er fest, dass er nicht mehr wusste, wo das Haus gestanden hatte. Er hörte einen Schrei und als er sich um- drehte, sah er Anneli, die sich aus dem Fenster eines brennen- den Hauses beugte. Er wollte zu ihr und sie retten; doch plötz- lich erschien Dany und zog ihn am Arm weg, immer weiter fort von Anneli. Tränen rannen ihm im Schlaf über die Wangen. Er spürte etwas Kühles an seinem Kopf und schlug die Augen auf. Noldi blickte in das besorgte Gesicht von Pater Waldes. Der Mönch hatte die Hand an seine Stirn gelegt. Noldi wand sich. Dieser Mann war an allem schuld. Wäre er nicht gewesen, dann hätte er Dany aufhalten können. Anneli wäre noch am Leben. Die Last des Traumes erdrückte Noldi. Er zitterte und warf sich auf seinem Lager hin und her. Arme schoben sich unter seinen geplagten Körper und hoben ihn hoch. Er versuchte sich zu wehren, doch sein Körper schien nicht mehr auf ihn zu hören. Er schloss wieder die Augen und glitt hinab in tiefe Dunkelheit. Pater Waldes sass neben Noldis Lager und betete. Seit einer Woche wurde Noldis Körper schon vom Fieber geplagt, doch langsam ging die Krankheit zurück. Waldes hatte Noldi vom ersten Tag an ins Herz geschlossen und er spürte, dass es noch eine Aufgabe an ihm zu erfüllen gab. Er hatte mit dem Abt verhandelt und bewirken können, dass Arnold von seiner Strafe befreit wurde. Im Gegenzug sollte er den Jungen in die Novizenschule aufnehmen. Waldes lächelte still in sich hinein. Es war ein herrliches Abkommen, und er freute

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