Helden Sterben Anders - Ivo Sasek - Elaion-Verlag
123 „Und das wollen Wächter sein? Nicht einmal mit einem Kind werden sie fertig!“ Der Griff um Annelis Handgelenke verstärkte sich. Sie versuchte sich zu wehren; aber sie konnte sich keinen Zoll breit mehr rüh- ren. Sie blickte in die wutentbrannten Gesichter der Männer und zitterte vor Angst. Kaum waren sie ausser Hörweite der Nonnen, zischte der Dicke: „Jetzt kannst du was erleben!“ Die beiden Männer schleppten sie die Turmtreppe hinauf und schlossen die Türe mit einem Knall. Der Hagere richtete sich bedrohlich vor Anneli auf und gab ihr einen Stoss. – Sie fiel zu Boden. Der Dicke schaute sie mit funkelnden Augen an. Dann gab er ihr mit seinem schweren Stiefel einen Tritt. Anneli schrie auf. Sie zitterte und bebte am ganzen Körper. „Hör auf, es ist genug! Wir wollen sie ja nicht gleich umbringen, oder?“ Schwer schnaufend hielt der Wächter inne. Dann zog er einen Haken hervor und hielt ihn hoch. „Aber, das da, das können wir.“ Anneli lag zusammengekrümmt am Boden. Sie wimmerte vor Schmerzen. Schützend hielt sie ihre Arme über ihren Kopf: „Nein, nein, nein, nein“, brachte sie nur noch stammelnd hervor. Der Hagere packte sie, zerrte sie hoch und sperrte mit beiden Händen ihren Mund auf. „Streck die Zunge heraus, Mädchen.“ Anneli erschauerte und versuchte, ihren Mund umso fester zu- sammenzupressen. „He, wird’s bald? … Ich rate dir: Gehorche uns, dann wird es für dich und für uns erträglicher!“ Schreiend wich sie zurück und wand sich aus seinem Griff heraus. Er gab ihr eine schallende Ohrfeige. Mit Entsetzen sah sie das rot angelaufene Gesicht des dicken Wächters auf sich zukommen. „Warte nur, du kleine Kröte!“ Er packte ihre Handgelenke und schnürte sie mit einem Strick hinter ihrem Rücken zusammen.
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