Helden Sterben Anders - Ivo Sasek - Elaion-Verlag
121 „Pack sie!“, schrie die Priorin den Mönch an. Doch der stand nur da und krümmte sich vor Lachen. Die Schreie der Priorin wurden lauter. Die Kinder hatten in der Zwischenzeit das Ende des Ganges erreicht und wollten die Treppe hinunterhasten. Ausgerechnet da kamen ihnen drei Mönche entgegen. Noldi riss Anneli am Arm zurück und keuchte: „Schnell, hierher in die Schreibstube!!“ Die Mönche waren ihnen dicht auf den Fersen. Noldi drückte die Türklinke: „Mist!“ – Sie war verschlossen. „Haltet sie!“ Die Kinder versuchten, den Mönchen auszuweichen und unter ihren Armen durchzurennen. Noldi, flink wie ein Wiesel, schaffte es und rannte den Flur zurück. „Noldi!“ Annelis verzweifelter Ruf brachte ihn abrupt zum Stehen. Er wirbelte herum. „Nein!“ Sie war zu schwach gewesen, um den Mönchen zu entkommen. Mit einem lauten Aufschrei warf sich Noldi zurück und versuchte mit Beissen und Kratzen, Anneli aus den Händen der Ordens- brüder zu befreien. Aussichtslos! In kürzester Zeit war auch er überwältigt. „Ruft die Wachen herbei!“ Bebend vor Angst sah Anneli die Priorin auf sich zukommen. „So, so, dacht ich’s mir doch, dass ihr euch nicht an unsere Ab- machung halten würdet! Nun, ich denke, das werdet ihr schwer bereuen!“ Die Wächter eilten herbei. Die Priorin befahl mit schneidender Stimme: „Werft den Jungen ins Verlies … und die da zurück in den Turm. – Bringt sie zum Schweigen, für immer!“ „Anneli, ich …“ Sie konnte nicht mehr verstehen, was Noldi ihr zurief. Die zwei Wachgesellen blickten einander an und gaben sich mit den Lippen Zeichen. Der Hagere sagte mit gespielter Unterwür-
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