Helden Sterben Anders - Ivo Sasek - Elaion-Verlag

118 ihre Schulter und schaute sie mit seinen gütigen Augen an: „Er liebt dich, Anneli, auch wenn du es vielleicht im Moment nicht verstehen kannst. Öffne Ihm dein Herz und vertraue Ihm dein Leben an. Glaube es mir: Er wird es wohl machen!“ Als der Pater wieder gegangen war, rang die Gefangene mit sich selber … und mit Gott. Liebte Er sie wirklich ? Und wenn Er sie liebte , wieso nur liess Er dann all das Schreckliche zu? Die Flucht Der Schrei eines Käuzchens hallte durch die Nacht. Mit einem Ruck setzte Anneli sich auf und lauschte gebannt in die Dunkel- heit hinein. Deutlich vernahm sie Schritte im Turm – sie kamen näher und näher. Ihr Herz pochte. Das Rasseln eines Schlüssel- bundes erklang, jemand machte sich an der Türe zu schaffen. Mit einem Poltern sprang die Türe auf. Sie fuhr zusammen. „Anneli?“, fragte eine aufgeregte Stimme. „Wo bist du?“ Jemand näherte sich mit eiligen Schritten. Im Licht des Mondes erkannte sie die Umrisse einer schmalen Gestalt. „Anneli!!!“ Noldi sprang auf sie zu. Mit ungläubigen, grossen Augen schaute sie ihm entgegen. War es eine Erscheinung oder … war er das wirklich? Er blieb vor ihr stehen und schaute auf sie herunter. Im Mond- licht erkannte sie jetzt sein Gesicht. Noldi?!? Ihre Gefühle über- schlugen sich. Er bückte sich zu ihr herunter und drückte sie ganz fest an sich. Sie spürte seinen schnellen Herzschlag durch ihr Gewand und roch seinen warmen Atem an ihrer Wange. Wie unbeschreiblich wunderbar fühlte sich das an! „Anneli, endlich. – Ich hole dich hier raus!“ Sie brachte keinen Ton hervor. „Anneli, hey Anneli! Was ist mit dir?“ Noldi schüttelte sie. „Ich bin es, Noldi! Sag, kennst du mich nicht mehr?“

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