Helden Sterben Anders - Ivo Sasek - Elaion-Verlag

117 Die Türe ging auf und der Pater trat ein. Über seinem Arm hing ein Fell. „Pater Waldes!“ Anneli sprang auf den Mönch zu und schlang ihre Arme um ihn. „Sei gegrüsst, Anneli. Du musst bei dieser eisigen Kälte ja schon ganz erfroren sein, mein Kind. Zeig mal her.“ Der Mönch nahm ihre klammen Hände fest zwischen die seinen und wärmte sie: „Puh, die sind aber kalt! Schau Anneli, ich habe dir dieses dicke Schaffell mitgebracht. Es wird dich etwas wärmen in dieser eisi- gen Winterzeit.“ Sie nahm das Fell entgegen. „Danke!“, brachte sie zaghaft und leise hervor. Der Pater erblickte das Tuch auf ihrem Bett. Seine Stirn legte sich in Falten: „Das ist ja voller Löcher, mein Liebes! Höchste Zeit, dass ich dir das Fell gebracht habe.“ Anneli drückte es an sich und strich mit ihren Fingern gedan- kenverloren darüber. „Pater Waldes, wie geht es … Noldi?“ „Noldi ? Hmm. – Ihm geht es gut. Doch er vermisst dich natür- lich und fragt immer wieder nach deinem Ergehen. Übrigens, lässt er dich ganz lieb grüssen und ich soll dir ausrichten, dass Rettung naht.“ „Rettung naht, Pater …?“ Anneli zog die Stirne kraus. „Denkst du, dass ich jemals aus die- sem Turm herauskomme?“ Der Pater schaute dem Mädchen mit klarem Blick in die grossen Augen. Wie immer, wenn er sprach, tat er es mithilfe seiner Hände. „Ja, Anneli, da bin ich mir ganz gewiss! Du darfst zuversichtlich sein. Gott hat dich nicht vergessen. Er ist mit dir – auch in die- sem Turm! Gerade durch diese Not will Er sich dir tiefer offen- baren und dich näher ziehen an Sein liebendes Vaterherz.“ Pater Waldes spürte ihre Zweifel. Er legte seine Hand fest auf

RkJQdWJsaXNoZXIy MTY5NDM=