Krieg in Gerechtigkeit - Ivo Sasek - Elaion-Verlag

Der Kampf um das Leben 191 Damit verleugne ich jetzt aber keinesfalls die reine göttliche Inspiration des Neuen Testamentes. Jeder Satz ist und bleibt gottgehaucht, zuverlässig und unvergänglich. Sowenig es aber den Schildbürgern gelang, das Sonnenlicht mit ihren handgemachten Körben einzufangen, so wenig kann man das erschienene Leben durch irgendwelche Satzungen, Dek- rete oder Dogmen einfangen und erhalten – und auch in Zu- kunft wird man dies niemals fertig bringen! Wer es trotzdem versucht, werde ein unverbesserlicher Schildbürger genannt. Man kann bestenfalls durch das Leben die Wahrheit des Buchstabens einfangen, verteidigen und erhalten, aber nie- mals umgekehrt. Man kann in der Tat nicht einmal irgend- welche Wahrheiten als solche durch den blossen Buchstaben schützen und erhalten. Und setzte man gleich die reinste al- ler biblischen Niederschriften unter göttlichen Gewahrsam, so genügte doch ein einziger frommer Banause, um diese in sich durchaus rein erhaltenen Satzungen bis auf den Grund zu entwerten. Buchstabenwahrheit nützt überhaupt nichts, wenn sie nicht gleichzeitig durch das Leben selbst verwirklicht, gedeckt und somit verteidigt und erhalten wird (2. Kor. 3,6) 1 . Geschwister, wir sind zu weit Höherem berufen als zur christlichen Bekenntnis- und Denkmalspflege! Wir sind nicht allein dazu gesetzt, irgendwelche geistlichen Dogmen und Wahrheitsbegriffe zu verwalten und in möglichst reiner Buchstabenform zu konservieren. Dies macht zwar einen berechtigten und gewiss wichtigen Teil unserer Aufgabe aus. Unser Wächteramt erschöpft sich aber niemals darin, 1 „... der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.“

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