Krieg in Gerechtigkeit - Ivo Sasek - Elaion-Verlag
156 Erkenntnis oder Gabe, und das Reich Gottes schien plötzlich nur noch aus dieser einen Wirklichkeit zu bestehen. Wenn nun die umliegenden Kirchen und Gruppen nicht bereits von Anfang an angriffen, weil die Erneuerungen gewöhnlich einen Gegensatz zur gewohnten Linie verkörperten, so sahen sie sich doch früher oder später genötigt zu intervenieren, wenn sie nämlich mit Recht sahen, dass sich da ein ungesundes Extrem herausgebildet hatte. Anstatt aber das Extrem durch den entsprechenden Gegenpol auszugleichen, griff man stets wieder die an sich echte Neuerung an. Dies zwang wiederum die Erneuerten, ihre Sache noch intensiver zu verteidigen, und zuletzt blieb ihnen sogar nichts anderes übrig, als sich abzusondern und sich samt ihrer Erfahrung einzuzäunen. Um ihr kostbares Gut „niet- und nagelfest“ zu machen, benannten sich die neugebildeten Abspaltungen dann meis- tens auch gleich nach ihrer besonderen Erfahrung (Denomi- nation = Benennung). Sie konnten auch fast nicht anders, da sie ja von der empfangenen Wirklichkeit echt überführt waren. Durch die zusätzliche Aktivierung und das übermäs- sige Kreisen um die eine Sache musste es aber früher oder später zu einer Fehlentwicklung und zu fleischlichen Aus- wüchsen kommen. (Alles beharrlich Einpolige führt letztlich in die Irre!) Diese Auswüchse dienten aber ihren Verfolgern letztendlich wieder als Nachweis und Bestätigung für das, was sie ja schon immer gesagt und befürchtet hatten. Lasst uns eine Sache nie einfach deshalb „extrem“ nennen, nur weil sie auf uns zu gross gewachsen, zu stark und intensiv wirkt. Das Kriterium des Extremismus liegt nicht in der Intensität der Erscheinung, sondern allein in der Frage des Gegenpols. Fehlt dieser, dann kann selbst die unscheinbarste Gemeinde vor Gott als extrem gelten. Kurzum: Echtes und
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